Mein Pferd will nicht durch Wasser


Frage von Marion Kronau:

Ich habe einen recht geländegängigen Criollo-Wallach, der allerdings beim Überqueren von Bächen streikt. Er möchte darüber hinweg springen oder weicht seitwärts und rückwärts aus. Angst vor Wasser scheint er nicht wirklich zu haben, da er ohne Probleme in einen See geht; bei Bächen aber scheut er. Können Sie mir dabei eine Hilfestellung geben?


Antwort von Peter Kreinberg:

Es gibt Pferde, die generell keine Scheu vor Wasser zeigen und ruhig in große Gewässer hineingehen. Sollen sie aber durch ein kleines Rinnsal, einen Graben oder einen schmalen Bachlauf gehen, so setzen sie mit einem gewaltigen Satz darüber hinweg. Sie tun das in der Regel nicht aus Furcht vor dem Wasser, sondern weil ihnen die Technik fehlt, mit dem Gefühl der Sicherheit hindurchzugehen. Ein Pferd kann mit erhobenem Kopf nicht direkt vor seine Vorderhufe sehen, dafür muss es ihn bis zum Boden senken. Selbst wenn es den Kopf absenkt, so kann es wegen der bewegten Oberfläche eines Bachlaufes oder des trüben Wassers in einem Graben nicht ergründen, wie tief der Wasserlauf ist und ob der Boden im Wasser fest und tragfähig ist. Hinzu kommt, dass die Ränder solcher Gewässer häufig weich, sumpfig und rutschig sind. Der Selbst­schutz­instinkt veranlasst deshalb jedes Pferd, nicht die Hufe in eine solche Situation zu setzen. Es könnte darin versinken und würde sich selbst dadurch gefährden. Aus diesem Grund zieht das Pferd es vor, das Hindernis zu überspringen.

Möchte man dieses Verhalten ändern, so muss man dem Pferd mit entsprechenden Lernsituationen eine neue und positive Erfahrung zur Bewältigung dieser Situation vermitteln. Es wird diese neu erworbene Technik des Problem-Managements später jederzeit anwenden, wenn der Reiter es möchte.

Ich übe zunächst – stellvertretend für das Gewässer – mit einer auf den Boden gelegten, schmalen Plastikfolie.

  • Ich reite Schritt für Schritt heran, lasse das Pferd einige Male anhalten und wieder einzelne Tritte oder einen Schritt rückwärts ausführen. Ich veranlasse es so, nur einen Vorderhuf auf die Folie zu setzen, ihn wieder zurückzunehmen und dann den anderen Huf darauf zu setzen.

  • Dann lasse ich es mit beiden Vorderbeinen darüber gehen und verhalte es, bevor es die Hinterbeine darauf setzt, lasse es wieder zurückgehen und so weiter, bis es beliebig anzuhalten ist. Sollte es doch eilen oder gar darüber springen, so wende ich es sofort wieder um und wiederhole den Vorgang in die andere Richtung. Dies übe ich, bis ich mein Pferd auch an anderen Orten kontrolliert über andere Planen reiten und darauf anhalten kann.

Erst dann suche ich ein Gewässer mit festem Untergrund und seichtem Einstieg und wiederhole das Erlernte. Nach einiger Zeit wird es kein Problem mehr sein, das Pferd Schritt für Schritt durch alle möglichen Situationen zu reiten.

Text & Fotos © TGT GmbH/RK