Seitwärts: locker und zwanglos von Anfang an

 

Frage von Heike Blannert:

Ich beginne mit meinem 5-jöhrigen Wallach gerade mit den Seitengängen an der Hand und unterm Sattel. Aber ganz gleich ob am Boden oder vom Statel aus, die Bewegungen werden nicht geschmeidig und es fühlt sich mehr wie ein Drücken und schieben an, als ein lockeres Seitwärts zu zweit. Über einen Tipp wäre ich dankbar.


Antwort von Peter Kreinberg:

Verständigungsprobleme sind in diesem Fall die häufigste Ursache:

•   Das Pferd versteht die Bedeutung der reiterlichen Einwirkungen nicht, weil es sie nie gelernt hat.

•   Es versteht die Hilfen, der Reiter, gibt diese jedoch unpräzise, platziert oder dosiert sie falsch.

•   Es versteht die Hilfen, der Reiter gibt sie korrekt, doch das Pferd hat Koordinationsprobleme, weil es nicht locker genug oder nicht genügend gekräftigt ist.

Vorbereitung

In jedem dieser Fälle sollte mit Vorübungen die Grundlage für das Reiten von Seitwärtsgängen am Boden geschaffen werden: Bodenarbeit und gezielte Übungen an der Hand vermitteln dem Pferd das System von Körperdruck (Zügelkontakt, Schenkeldruck). Sie bilden die Verständigungsgrundlage und sollten den Übungen im Sattel voran gehen.

Am Boden

•   Das Pferd läuft am sechs Meter langen Leitseil im Kreis im Schritt herum. Durch regelmäßiges Geben und Nehmen, Verlängern und Verkürzen des Seiles wird es dazu animiert, den Abstand zum Ausbilder zu verkleinern und zu vergrößern. Mit gezielter Hilfe auf Schulter oder Hüfte des Pferdes, mit dem Leitseilende oder einer Longierpeitsche, weicht das Pferd mit dem entsprechenden Körperteil und wird so die ersten überkreuzenden Schritte tun.

In regelmäßigen Schritt-Kehrtvolten wechselt es nach einigen Wiederholungen locker und koordiniert und kreuzt mit den Vor- und Hinterbeinen.

•   Mit der Wassertrense stellt man das Pferd an der Bande auf, positioniert sich zu seiner Seite hin schauend so, dass eine Hand den Zügel kurz unter dem Gebiss fasst, mit der freien anderen Hand, die zur Hinterhand hin positioniert ist, hält man locker eine Dressurgerte. Mit leichten, touchierenden Impulsen lässt man es im Schritt antreten und in Form einer Volte um sich herum gehen. Nachdem sich die Volte geschlossen soll das Pferd noch zwei oder drei Tritte auf der gebogenen Linie ausführen.

Durch gefühlvolle Zügeleinwirkung und Touchieren an der Seite oder am inneren Hinterbein, kann es nun die ersten Tritte seitwärts kreuzen. Daraus wird dann wieder eine Volte und einige Tritte seitwärts erarbeitet. Übung auf beiden Händen in kurzen Reprisen wiederholen.


Eine Grundübung bei TGT® REITEN ist die Übung "Wendung um die Vorhand an der Quadratvolte".Eine Grundübung bei TGT® REITEN ist die Übung "Wendung um die Vorhand an der Quadratvolte".Unter dem Reiter

Wendungen um die Vorhand (Foto: beispielsweise Wendung um die Vorhand an der Quadratvolte) dienen als Verständnisübung.

In kurzen Reprisen werden sie ohne Kraft und Zwang ausgeführ - auch an der Bande:

•   Mit touchierenden, einfühlsamen Schenkelimpulsen wirkt man, anfänglich weiter hinten, ein, bis das Pferd den Zusammenhang zu den Kontakt-Druck-Einwirkung des Schenkels mit den Übungen an der Hand verknüpft und mit der Hinterhand weicht. Tritt für Tritt soll es die Wendung um die Vorhand ausführen. Gelingt dies ohne Verspannungen folgen Übungen auf der Volte:

•   Nach Vollendung einer Volte auf dem Hufschlag lässt der Reiter das Pferd auf der gebogene Linie noch zwei oder drei Tritte tun, bis es etwa in einem 45-Grad-Winkel von der Bande abgestellt ist. Die Hinterhand befindet sich auf dem Hufschlag, die Vorhand ist etwa eine Pferdebreite in die Bahn positioniert.

•   Nun nimmt man vermehrt die Zügel an − nicht Ziehen − und sorgt durch weiches wechselseitiges „Spielen“ mit dem Gebiss, für Nachgiebigkeit in Genick und Maul des Pferdes. Gleichzeitig nimmt der Reiter alle Spannung aus dem äußeren Bein, gibt dem Pferd seitlich Raum − es soll ja schließlich dorthin seitlich ausweichen. Mit der Wade des inneren Schenkels gibt er von hinten nach vorn streifende, weiche Impulse. Im Idealfalle immer dann, wenn das äußere Vorderbein und kurzzeitig später das innere Hinterbein in der Schwebephase sind.

•   Anfänglich werden die Seitwärtstritte etwas unkoordiniert und taktunrein sein. Das wird erst mit zunehmender Wiederholung besser. Das Pferd soll unverkrampft seitwärts treten. Nach einigen Tritten lässt man es wieder in die Volte vorwärts gehen, es wieder seitwärts, dann auf der Volte gehen und so weiter.


Ich empfehle locker und zentriert zu sitzen. Keinesfalls darf der Reiter mit dem Oberkörper zur Seite lehnen, das würde das Pferd irritieren und in der Rückenmuskulatur verspannen. Auch punktuelles einwirken durch einseitige aktive Gesäßeinwirkung oder das so genannte „Kreuzanspannen“ sollte vermieden werden. Passiv, locker, balanciert – das sind die besten Gewichtshilfen zu diesem Zeitpunkt, um ein locker und zwanglos mitarbeitendes Pferd vertrauensvoll an die Seitengänge heranzuführen.

 

 

 

Text: RK / Foto: Boiselle / RK