Hohe Kopfhaltung beim Antraben – was kann ich tun?

 

Frage von Gudrun Meinertz:


Ich habe eine sechs jährige Vollblutstute. Sie ist ein sehr nettes Pferd, stets bemüht, meine Anfragen umzusetzen. Zu Beginn war sie sehr unregelmäßig innerhalb der Gangarten, was sich aber schon sehr viel verbessert hat. Unruhig wird es immer noch bei den Übergängen. Vor allem in Schritt-Trab-Trab-Schritt-Übergängen nimmt sie immer noch den Kopf hoch, anstatt diesen entspannt und weich selber zu tragen.

 

Antwort von Peter Kreinberg:


Fein abgestimmte Schenkel- und Zügelhilfen des Reiters geben dem Pferd eine Chance, weich an den Hilfen zu bleiben, anstatt den Kopf hochzureißen. Fast immer liegt diesem Problem ein reiterliches Problem zu Grunde.Fein abgestimmte Schenkel- und Zügelhilfen des Reiters geben dem Pferd eine Chance, weich an den Hilfen zu bleiben, anstatt den Kopf hochzureißen. Fast immer liegt diesem Problem ein reiterliches Problem zu Grunde.Bei Pferden, die in den Grundgangarten gleichmäßig laufen, doch bei Wechsel der Gangart den Kopf hochnehmen, liegen die Ursachen in der Regel bei Reiter und Pferd. Zur Sicherheit sollte man aber eine tierärztliche Untersuchung veranlassen, um auszuschließen, dass zum Beispiel Verletzungen im Maul die Ursache sind. Der beim Korrekturpferd zur Gewohnheit gewordene Verspannungsreflex in Hals- und Rückenmuskulatur kann durch gezielte Übung abgebaut werden und Losgelassenheit und Takt erreicht werden..
In folgender Übung, die mit Wassertrense geritten wird, kann der Reiter sein Gefühl für ruhige und abgestimmte Einwirkungen verbessern und so seine Hilfen gezielter platzieren. Das Pferd verkürzt oder erweitert dann seinen „Bewegungsrahmen“ ohne die Vorhand mehr zu belasten oder gegen das Gebiss zu drücken. Der Reiter bewirkt so ein aktiveres Untertreten mit dem jeweils inneren Hinterbein des Pferdes und fördert damit eine kurzzeitige, leichte Versammlung.
Die einzelnen Phasen der Übung geben Pferd und Reiter genügend Zeit und fördern das Vertrauen des Pferdes in die Einwirkungen. Der Reiter kann sich auf korrekte Platzierung und Dosierung der Einzelfunktionen konzentrieren. Die Übung hat einen vermehrt lösenden Effekt. Das Arbeiten an Übergängen bietet mehrere Vorteile:


• Kontrolle über Tempo wird deutlich verbessert

• Übergänge zwischen den Gangarten werden weicher

• Es wird möglich, präzise an einem vorgegebenen Punkt die Gangart zu wechseln.

• Das Pferd lernt, am losen Zügel die Übergänge ausbalanciert, ruhig und weich auszuführen.

Schritt für Schritt

Der Reiter sollte erst dann zum nächsten Schritt übergehen, wenn der vorangegangene korrekt ausgeführt wurde. Aus diesem Grund ergibt sich zu Beginn der Arbeit noch kein komplettes Manöver „Gangartwechsel“. Nach einer Aneinanderreihung der Schritte ergibt sich jedoch die Fähigkeit des Pferdes, präzise und innerhalb von Augenblicken einen fließenden, ausbalancierten Gangartwechsel auszuführen. Folgende Aufgabe kann Ihnen weiterhelfen:


1. Stellen Sie im Schritt eine weiche Verbindung zum Pferdemaul mit dem dicht am Hals liegenden inneren Zügel her. Warten Sie darauf, dass das Pferd in Genick, Hals und Schulter nachgibt, ohne dabei die Linienführung oder das Tempo zu verändern.

2. Kontaktaufnahme mit dem äußeren Zügel bis zur weichen Nachgiebigkeit in Genick, Hals und Schulter ohne Veränderung der Linienführung oder des Tempos.

3. Legen Sie den inneren Schenkel an, einen Moment später den äußeren und behalten Sie Linienführung und Tempo bei. Bande oder Zaun begrenzen nach außen.

4. Aktive Impulse mit dem inneren Schenkel in mittlerer Position. Diese werden von hinten nach vorn streifend immer dann gegeben, wenn das äußere Vorderbein (und einen Augenblick später das innere Hinterbein) in der Schwebephase ist. Die Impulse eventuell stärker wiederholen, bis das Pferd die Gangart gewechselt hat. Beide Zügel begrenzen dabei durch weichen Kontakt. Der innere Schenkel wird passiv, bleibt aber auf Tuchfühlung.

5. Möchte das Pferd davoneilen oder drückt es gegen das Gebiss, baut man mit passiv festgestellten Händen etwas mehr verhaltenden Druck auf das Gebiss auf. Unter keinen Umständen sollte mit den Zügeln nachgeben werden, wenn das Pferd stärker gegen den Zügel geht.

6. Bei Pferden, die dem Reiter die Zügel mit Gewalt aus der Hand ziehen, ist es sinnvoll, die Zügelfäuste am Mähnenkamm vor dem Widerrist aufzusetzen.Man gibt weiter, in gleicher Rhythmik, eventuell in gesteigerter Dosierung, Schenkelimpulse, der innere Schenkel ist eventuell etwas weiter hinten platziert. Manchmal ist es hilfreich, nur mit der äußeren Hand nachzugeben, den Kontakt zum Maul dabei jedoch zu halten. Das Pferd wird nun etwas engagierter mit dem inneren Hinterbein untertreten. Man fühlt, wie sich Spannung über das Rückenband aufbaut und sich seine Schultern heben. Der Kopf kommt dabei häufig höher und noch zögerlich und etwas stockend wird das Pferd in den Trabrhythmus übergehen. Es gibt auch noch nicht im Genick nach, man spürt sogar verstärkten Druck am Gebiss.

Vermindert sich der Druck, weil das Pferd die Halsmuskulatur entspannt, gibt man mit dem Außenzügel nach. Das Pferd hält den Trab und dehnt die Halsaußenseite. Der innere Schenkel begrenzt weiter und gibt eventuell etwas stärkere Hilfen, sollte das Pferd von der Linie nach innen abweichen wollen. Jetzt mit dem Innenzügel nachgeben. Das Pferd dehnt die Muskulatur nun auch auf dieser Seite und streckt den Hals vorwärts-abwärts. Es ist wichtig, ihm genügend langen Zügel zu geben.

7. Die Schenkel in eine passive Haltung zurück nehmen, sie hängen locker herunter. Das Pferd ist gerade oder ganz leicht gestellt und geht geradeaus.
Dieser häufige, geregelte Wechsel zwischen dem Reiten in Anlehnung, am losen Zügel und wieder in Anlehnung fördert Losgelassenheit, auch wenn es mit den Hinterbeinen zeitweilig vermehrt Last aufnehmen muss. Treibende Sitzeinwirkungen sind hier zunächst bewusst ausgeblendet, da Rückenverspannungen bei Pferd und Reiter häufig eine Ursache für dieses Verhalten sind. Dieser negative „Verspannungskreislauf“ kann aber gerade durch diese Übung überwunden werden.

 



Text & Fotos © RK